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Woid G'sichter: Klaus Brämer

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Woid G'sichter: Klaus Brämer

Ein Waidler, der in die Welt hinauszog, um den Chinesen die bayerische Braukunst schmackhaft zu machen. So in etwa lässt sich in einem Satz die ehrgeizige Mission betiteln, die der Mauther Klaus Brämer im April 1997 in Angriff nahm. Mit 27 Jahren, nach seinem Abschluss als Diplom-Braumeister, übernahm er die Leitung des Paulaner-Brauhauses in Peking. Die Halbe Bier kostete zu jener Zeit umgerechnet rund zwölf D-Mark. "Ich war jung, ledig, ungebunden - das Abenteuer stand im Vordergrund, der Abschied vom Woid fiel mir damals nicht schwer", sagt der heute 51-Jährige, den es, nach vielen Jahren des Unterwegsseins in der ganzen Welt, am Ende doch wieder in die alte Heimat verschlagen hat - auch aus dem Grund, um sein eigenes Bier zu brauen. Das Waidler-Bier.

Das erste halbe Bier

Aufgewachsen ist Klaus Brämer in der einstigen Mauther Jugendherberge, die seine Eltern mehr als 30 Jahre lang geführt hatten. An die beiden in der Großküche deponierten 60-Liter-Kessel, in denen an jedem Neujahrstag Bier gebraut wurde, kann er sich noch gut erinnern. Es war der erste Kontakt mit dem Gerstensaft, der sein späteres Berufsleben prägen sollte. "Alles recht improvisiert, doch es war eine schöne Zeit", sagt er unaufgeregt - und ergänzt: "Vielleicht kommt daher auch meine weltoffene Einstellung, weil ja immer Gäste von Flensburg bis Berchtesgaden bei uns in der Herberge zu Gast waren."

Die erste Halbe Bier, verbunden mit einem ordentlichen Rausch, hat er mit 15 getrunken - im weitum bekannten Wirtshaus von Anita und Alfons Fuchs, die zum damaligen Zeitpunkt im Urlaub weilten. "Der Wirtssohn, ich und zwei Spezln haben uns einmal quer durchs Sortiment probiert - ohne so recht zu wissen, was passiert", erzählt Klaus Brämer und lacht. 

 

"Ich war jung, ledig, ungebunden - das Abenteuer stand im Vordergrund, der Abschied vom Woid fiel mir damals nicht schwer."

 

Ein Job mit Perspektive

Nach dem Abitur am Gymnasium Freyung und zwei Jahren Bundeswehr hat er sich dazu entschlossen Brauwesen zu studieren. "Bei mir standen drei Berufswünsche im Raum: Agrarwissenschaftler, Forstwissenschaftler und Bierbrauer. Meine engsten Verwandten haben mir zu Letzterem geraten - weil Bier wird immer getrunken. Ein Satz, der sich gerade auch in Corona-Zeiten bewahrheitet. Seine Berufswahl hat er nie bereut. Um die Zugangsvoraussetzungen für die Hochschule Weihenstephan in Freising zu erfüllen, sammelte er erste Erfahrungen in heimischen Brauereien, unter anderem bei Lang-Bräu in Freyung, wo er, wie er es nennt, das "brautechnische Gehen" gelernt hat. Umgezogen in den Münchener Vorort ist er dann stilecht im Brauerei-Lastwagen. 

Nach dem fünfjährigen Studium machte sich der Diplom-Braumeister auf die Suche nach einer Anstellung - entweder in der Heimat oder ganz weit weg. "Im Woid war's schwierig zum damaligen Zeitpunkt, denn es herrschte dort ein Brauerei-Sterben.“ Dann hat er sich kurzerhand bei der Münchener Großbrauerei Paulaner beworben, einem internationalen Big Player, und wurde genommen. "Sie haben mir angeboten eins ihrer Brauhäuser zu übernehmen - jedoch nicht in München, sondern in Peking." Drei Wochen hatte er Zeit sich zu entscheiden - und er packte die Gelegenheit beim Schopfe.

Reis statt Knödel

"Als vernünftiger Brauer weiß man, was man drauf hat - das kann am anderen Ende der Welt nicht recht viel anders sein als sonst wo", gab er sich ganz pragmatisch und selbstbewusst. Im April '97 ging sein Flieger in die chinesische Hauptstadt, das Brauhaus war im Kempinski-Hotelkomplex integriert. Sein Auftrag: die Geschäfte führen, die Paulaner-Brauerei bei den Geschäftspartnern und Gästen repräsentieren - und freilich auch Bier brauen. "Die Einführung durch den Vorgänger-Braumeister dauerte eine Woche - dann war ich selbst gefragt", erinnert er sich. 

Andere Sprache, andere Kultur und Mentalität, anderes Essen und Trinken. Klaus Brämer tauschte den Schweinsbraten mit Knödel gegen die Kung-Pao-Chicken mit Reis. "Peking war zwar multikulti aufgrund der verschiedenen Botschaften, doch das Land selbst war noch relativ zu", versetzt er sich gedanklich zurück in seine Anfangszeit. Fünf Kneipen habe es damals gegeben, wo man als "Zuagroasta" auf "Zuagroaste" treffen konnte, dazu gehörte auch das Paulaner-Brauhaus. Ein "unglaublicher Hype" sei damals um die bayerische Braukunst entstanden - und die Chinesen hatten Brämer zufolge ihrer Weltläufigkeit dadurch bewiesen, dass auch viele von ihnen sich im Brauhaus aufgehalten haben.

Chinesen und Bier…

… passt das überhaupt zusammen? Ja, davon konnte sich Klaus Brämer aus eigener Erfahrung überzeugen. "Es heißt zwar immer, dass sie keinen Alkohol vertagen - doch das stimmt nur bedingt", berichtet er mit einem Schmunzeln und ergänzt: "Sie trinken das Bier auf eine andere Art und Weise - länger als zwei Stunden können sie nicht sitzen bleiben, sonst werden sie etwas lethargisch..."

Seit Jahrtausenden würden die Chinesen jedoch den Maotai, einen speziellen Schnaps, konsumieren. Ebenso gerne ihren Rotwein. Und auch eine kleine, aber feine Biertradition könnten sie vorweisen, denn: 1906 wurde im Namen des deutschen Kaiserreichs in Qingdao, einer ehemaligen Kolonie, eine Brauerei gegründet, die es auch heute noch gibt. Mit einem Qualitätsanspruch nach dem deutschen Reinheitsgebot habe das freilich wenig zu tun, sagt Brämer. In China werde - im Gegensatz zu Bayern - eher für die Masse, nicht für die Klasse produziert.

Sprachlich gab es zumindest im Dunstkreis des Brauhauses keinerlei Probleme, da der Großteil der Belegschaft Englisch gesprochen hat. "Und um mit dem Taxi durch Peking zu kommen, reichten rudimentäre Chinesisch-Kenntnisse aus", sagt Klaus Brämer und fügt mit einem Lächeln an: "Zeitweise habe ich mich in Peking besser ausgekannt als in München." Die Intensivierung des Kontakts mit den Einheimischen folgte dann mit der Dauer des Aufenthalts - nicht zuletzt aufgrund seiner 15 Jahre währenden Ehe mit einer Taiwanesin.

Nach zwei Jahren Peking ging es für den stämmigen Waidler mit der gemütlich-freundlichen Art rund 1.200 Kilometer weiter südlich ins Brauhaus nach Shanghai. "Dort war damals unser Flagship-Store." Eine große Ehre für Brämer, der den Job als Braumeister sowie des hauptverantwortlichen Vertreters der Paulaner-Brauerei übertragen bekam. Heimweh kam bei ihm nicht auf, "weil ich immer schnell Kontakt gefunden habe." Lediglich zweimal im Jahr stattete er seinen Verwandten und Bekannten dahoam im Woid einen Besuch ab - einmal im Sommer, einmal zu Weihnachten.

Zwei weitere Jahre später trat er die Heimreise nach Deutschland an: Der Ruf seines Arbeitgebers zurück nach München ereilte ihn. Er wurde zum Chef-Braumeister der Paulaner-Brauerei ernannt. Von nun an zeichnete er für den Ausbau und den Betrieb sämtlicher Paulaner-Brauhäuser weltweit verantwortlich - von Kapstadt bis St. Petersburg, von Jakarta bis Nanjing. Und auch das bekannte Brauhaus am Münchener Kapuzinerplatz fiel unter seine Ägide.

Zeit für eigene Wege

2012 kam dann für Klaus Brämer der Moment, eigene Wege zu gehen. "Ich habe die Erfahrungen und Kontakte aus dem Ausland für mich selbst zu nutzen versucht und mich mit meinen eigenen Biermarken selbständig gemacht", erklärt er seinen Schritt in die Eigenverantwortlichkeit. Seine Biermarken hat er größeren und kleineren Brauereien angeboten und sie dort in den unterschiedlichsten Gebinden abgefüllt. "Wir haben uns verschiedene Produkte und Biersorten zurechtgelegt - vom Weizen übers Helle bis hin zum Schwarzbier, was etwa in Asien sehr populär ist."

Vom Bierbrauer zum Bierhändler, der sowohl mit großen Mainstream-Produzenten als auch mit kleineren Craftbeer-Breweries kooperiert. Dabei ist er auch mit der Brauerei Aldersbacher in Kontakt gekommen, wo er sich seitdem um den Export der hauseigenen Marken nach China, Vietnam oder Malaysia kümmert. "Wir wollten auch eine lokale Marke im Stile des Retro-Biertrends entwickeln - und so entstand die Marke Waidler. Ein Erfolgskonzept, von dem alle von Anfang an überzeugt waren", berichtet Klaus Brämer nicht ohne Stolz. "Das Aldersbacher Biersortiment ist von höchster Qualität, die Biertradition groß - und Braumeister Lorenz Birnkammer ist überaus engagiert. Das war für mich entscheidend, das Waidler-Bier hier brauen lassen."

Die Kunst des Brauens

Was ein gutes Bier ausmacht? "Das Reinheitsgebot ist der Grundstock für unsere qualitativ-hochwertigen Biere", fasst sich Brämer kurz. "Aber auch die Faktoren Heimat und Regionalität gehören dazu." Er ist froh, dass der Trend derzeit wieder dorthin geht. "Wir brauchen kein Bier aus Flensburg oder Hamburg, wenn wir dahoam eine große Auswahl an besonderen Bieren haben", ist er überzeugt. "Muss ich unbedingt ein Bier mit Tequila-Geschmack aus keine-Ahnung-woher trinken, wenn ich gleichzeitig ein herausragendes Produkt zur Verfügung habe, das aus der Region stammt?" Seiner Meinung nach sind die regionalen Wurzeln und das handwerkliche Können für ein gutes Bier unabdingbar.

"Die ganz große Kunst unter uns Bierbrauern ist es übrigens ein Bayerisch-Hell herzustellen, das allen Ansprüchen gerecht wird", berichtet Klaus Brämer. "Es ist tatsächlich eine Kunst, mit vier Zutaten - Wasser, Hopfen, Hefe und Malz - ein ausbalanciertes, qualitativ-hochwertiges Helles herzustellen. Das können nur die, die es gelernt haben und die sich mit viel Energie damit befassen. Keine Kunst sei es hingegen, irgendeinen Aromaverstärker, etwa eine Vanille-Schote aus Madagaskar, mit in den Braukessel zu geben. "Das gleicht dann eher dem Prinzip eines Chemie-Baukastens."

 

"Muss ich unbedingt ein Bier mit Tequila-Geschmack aus keine-Ahnung-woher trinken, wenn ich gleichzeitig ein herausragendes Produkt zur Verfügung habe, das aus der Region stammt?"

 

Das Waidler-Bier

Vom "Waidler"-Bier, das bereits in ausgewählten Getränke-Märkten zum Kauf angeboten wird, gibt es neben Weißbier und Hellem auch noch einen Bock. Um den Retro-Look zu betonen, zieren die Bierflaschen historische Bilder aus Brämers Heimatgemeinde Mauth. Verstaut wird das Bier nicht in einer gewöhnlichen Bierkiste, sondern in einem sog. Logipack-Kasten, der an ein dezentrales Leergut-System gekoppelt ist. "Das heißt: Der Urlauber kann im Woid das Waidler-Bier kaufen, mit nach Hause nehmen und das Tragl im lokalen Getränkemarkt wieder zurückgeben."

Das "Waidler" trinkt er - neben dem Freyunger Lang Bräu - momentan auch privat am liebsten, wie Klaus Brämer verrät. Auf internationale Biere wie Heineken bekommt er mittlerweile Sodbrennen, weshalb sein Herz heute nur noch fürs Regionale schlägt. Und für die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald sowieso. Als Ausgleich zu seinem Beruf ist er gerne in der Natur unterwegs, insbesondere wenn er auf die Jagd geht. Zu seinen Lieblingsplätzen zählen etwa der Sulzriegel, die Schwarzbachklause oder der Steinfleckberg. Auch mit dem Motorrad dreht er gerne seine Runden durch den Bayerischen Wald.

Nach 26 Jahren "out of da Woid" kehrte er deshalb vor drei Jahren wieder zurück in die Gemeinde Mauth-Finsterau, genauer gesagt in den Ortsteil Zwölfhäuser, wo er sein privates Glück gefunden hat. "Ich bin unglaublich froh, dass ich wieder heimkommen durfte. Häufig muss man Zeit woanders verbracht haben, um zu erkennen, wie schön es dahoam ist", sagt Klaus Brämer mit überzeugtem Brustton. Das Heimkommen sei ein ganz wichtiger Schritt in seinem Leben gewesen. Er weiß heute: "Ich geh nicht mehr weg."

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Thomas Gut ist ein Mann der Extreme. Er lebt mit knapp 60 Huskys auf seinem eigenen Adventure Camp.