Vom Wald das Beste: Woid-Multitalent Georg Brunnhölzl

Nur, wer einmal weg war, weiß, wie schön es "dahoam" ist. Dieses allseits bekannte Sprichwort trifft den Nagel oftmals auf den Kopf. Das kann auch Georg Brunnhölzl aus Saulorn bei Hohenau bestätigen. Mehr als 30 Jahre lebte der heute 71-Jährige in Mittelfranken, war als Abteilungsleiter bei Siemens beschäftigt und im örtlichen Sportverein im Vorstand aktiv. Kurz: Er war voll integriert. Weil jedoch seine Mutter schwer erkrankte, kehrte der gebürtige Waidler in den Bayerischen Wald zurück - und verliebte sich zum zweiten Mal in dieselbe Braut. Als Wanderführer, Buchautor, Pilgerwegbegleiter und Imker erkundet er seitdem seine Heimat - auf seine ganz eigene Art und Weise. Von seiner Zeit im fränkischen Exil ist nur eine charmant-witzige Dialekt-Mischung übrig geblieben - und die Erkenntnis: "Dahoam ist's halt doch am scheenst'n."

"Hier bin ich zu Hause, hier ist es einfach wunderbar. Deshalb bin ich auch oft in der Natur unterwegs", erzählt Georg Brunnhölzl. Er sitzt im Büro seines Wohnhauses, das sich in dem 260-Seelen-Dörfchen inmitten der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald befindet, und lächelt zufrieden. Überall liegen Bücher verstreut, Wanderkarten und Bilder. Ein geordnetes Chaos. Und gleichzeitig ein vielfältiger Blick auf den "Woid", insbesondere auf die Wanderwege der Region.

Der Saulorner verlässt sich dabei nicht nur auf ausgewiesene, bereits bekannte Routen, sondern kreiert auch immer wieder neue Touren, die in der Tourist-Information Hohenau gebucht werden können. Dass die hiesige Pfarrei 27 Kapellen und 54 Wegkreuze vorweisen kann, dürften wohl nur die wenigsten wissen. Der 71-Jährige ist dem eifrig nachgegangen - und hat einen Kapellenführer für die Lusengemeinde herausgebracht. "Und das, obwohl ich evangelisch bin", sagt er - und lacht herzlich.

Generell spielt der Glaube im Leben des Rentners eine große Rolle. Nachdem er in früheren Jahren oft im Stubaital und in den Dolomiten unterwegs war, konzentriert er sich mittlerweile ausschließlich auf den Bayerischen Wald und dessen nähere Umgebung. Mit dazu beigetragen hat auch seine Ausbildung zum Pilgerwegbegleiter. Seitdem führt er Wandergruppen durch den Bayerwald, unter anderem auf der Via Nova. "Schnell habe ich gemerkt, dass ich eigentlich schon immer gepilgert bin. Ich bin gerne alleine unterwegs und nehme dabei die Natur ganz bewusst war. Ich bete praktisch mit meinen Füßen."

Gebucht wird Georg Brunnhölzl, den viele auch nur unter seinem typisch bayerischen Spitznamen "Schosi" kennen, hauptsächlich über die Tourist-Info in Hohenau, sowie über Hotels in der Gemeinde, die ihn bereits kennen - "da läuft viel über Mundpropaganda". Möglichst innerhalb von drei Stunden versucht er dann seine meist Zehn-Kilometer-Routen zu bewandern – „mehr wäre einfach zu viel“. Probleme hatte er dabei anfangs vor allem im Umgang mit einigen Teilnehmern. "Es hat schon so manche gegeben, mit denen ich nicht so richtig warm geworden bin. Inzwischen habe ich aber eine gewisse Routine entwickelt." Um fundierte Auskünfte zu geben, ist eine aufwendige Vorbereitung nötig. Georg Brunnhölzl muss sich auskennen - nicht nur geographisch, sondern auch geschichtlich. Zum Beispiel hat er den preußisch-französischen Krieg und dessen Auswirkungen auf den Bayerischen Wald stets parat. Mit schier traumwandlerischer Sicherheit kann er ebenso die Geschichte vieler Kapellen aus dem Stegreif widergeben. Gibt ja nix Einfacheres, möchte man meinen…

Oftmals verbindet er seine Führungen mit einer weiteren Leidenschaft: Seit seinem 16. Lebensjahr ist Georg Brunnhölzl leidenschaftlicher Imker. Den Weg der Biene - vom Schlüpfen bis zum Tod nach 42 Tagen - hat er im Rahmen eines von ihm selbst initiierten Bienenlehrpfads, der am eigenen Haus beginnt und durch das Hohenauer Gemeindegebiet führt, dargestellt. Georg Brunnhölzl, ein Mann der viel über den Bayerischen Wald weiß und auch viel Wissenswertes über ihn weitergeben will. Eine lebende Werbekampagne quasi, auf die sich auch einige örtliche Vereine stets verlassen können.

Nebenher ist er auch als Vorsitzender des Kneippvereins Freyung-Grafenau tätig. Keine einfache Aufgabe. "Kneippen ist sehr gesund - das wird mir von vielen Seiten immer wieder aufs Neue bestätigt. Vor allem nach anstrengenden Touren durch den Bayerwald." Wandern oder Pilgern, Bienenlehrpfade oder Kneippen - Georg Brunnhölzl kann all seine Hobbys in der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald vereinen - und in einer "erholsamen Mischung" an die Urlauber weiterempfehlen.

"Wir müssen uns als Region mehr öffnen, mehr Service bieten - nicht nur das Geld abschöpfen", macht der Hohenauer im gleichen Atemzug deutlich. Ein erster Schritt in die richtige Richtung war Brunnhölzl zufolge die Gründung der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald GmbH. "Mit gebündelten Kräften kann man die Wertschätzung der Region innerhalb der Bevölkerung genauso steigern wie die Attraktivität für mögliche Urlaubsgäste", davon ist der 71-Jährige felsenfest überzeugt.

Buchungsmöglichkeit, weitere Infos zu den Wanderungen mit Georg Brunnhölzl und seine Bücher gibt es in der Tourist-Info Hohenau, oder direkt bei ihm unter info@baytop.de oder www.baytop.de