Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Vom Wald das Beste: Martin Bredl

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Vom Wald das Beste: Martin Bredl

Bayerisch Eisenstein. Zugegeben: Inuits trifft man unserorts eher selten an. Eigentlich nie. Das ein oder andere Iglu steht zur Winterzeit trotzdem herum in der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald - in Bayerisch Eisenstein beispielsweise. Wobei dieses mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit von Martin Bredl gebaut wurde.

Der stammt zwar weder aus dem hohen Norden noch macht er Jagd auf Karibus oder Elche. Iglus bauen kann er dennoch - auch wenn er, wie er heute sagt, im Leben nicht damit gerechnet hätte, mitunter irgendwann einmal mit dem Bau der arktischen Unterkünfte seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der gebürtige Zwieseler hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Rund drei Stunden benötige er für so ein Haus aus Schnee, wenn ihm ein Kollege zur Seite steht. Freilich vorausgesetzt, dass der Schnee passt. Mit Pappschnee sei das alles kein Problem, erklärt Bredl. Mit Pulverschnee wird's schwieriger. Keine Frage, der 45-Jährige kennt sich aus mit den Konsistenzen, aus denen sich die weiße Pracht zusammensetzen kann.

Ursprünglich war er jedoch für Supermarkt-Ketten in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen zuständig, hat in München gelebt und ist zwischen Metro- und Realmarktfilialen hin und her getourt. Beruflich habe es dann nicht mehr gepasst, sagt er. Genauso wenig in der Beziehung. Und aus München wollte er auch weg - zurück in den "Woid".

Zurück in den Woid


"Aus einer Lebenskrise heraus", so erzählt Bredl, habe er dann im Mai 2013 damit angefangen, Kanu-Touren auf der Otava und der Moldau anzubieten. Sein eigenes Gewerbe namens "BohemiaTours" hat er auch gleich angemeldet - um dann erst einmal Däumchen zu drehen. Zwar ist Wasser für so eine Kanufahrt durchaus von Vorteil - um nicht zu sagen essenziell -, aber zu viel davon sollte es halt auch nicht sein.

War es aber, im Hochwasser-Sommer 2013. Ins Wasser gefallen, um im Jargon zu bleiben, ist die ganze Idee dann aber doch nicht. Ganz im Gegenteil.

Das Konzept mit den Kanu-Touren habe er schon länger im Hinterkopf gehabt. Sukzessive kam ein Kinderprogramm mit dazu. Danach Firmen-Events. Und weitere Sportarten. Statt auf der Otava und der Moldau finden Bredls Touren mittlerweile auf dem Regen und der Ilz mitten im Bayerischen Wald statt. Schritt für Schritt nahm er - abseits von Gewässern - weitere Outdoor-Aktivitäten mit in sein Repertoire auf. Die Geschichte kam ins Laufen.

Die Geschichte kam ins Laufen

Im Sommer, so erklärt der 45-Jährige, seien es vor allem Urlauber aus Nah und Fern - darunter viele Familien -, die seine Angebote wahrnehmen. Neben dem Kanu fahren offeriert er seinen Kunden mittlerweile auch Wildwasser-Rafting- und Wildnis-Trekking-Touren sowie Ausflüge auf dem Segway.

Wer's ganz aktiv haben möchte, der kann mit ihm auch einen sog. Segway-Triathlon absolvieren, bei dem man sich nacheinander mit dem E-Bike, dem Kanu und dem Segway durch die Bayerwald-Landschaft kämpfen darf.

Speziell fürs "Teambuilding" gibt es er für Firmen auch sogenannte Outdoor-Adventure-Days: Vier bis fünf Stunden klettern dann Ingenieure, Informatikerinnen oder Ärzte auf Bäume, seilen sich von Felsen ab, schießen mit Pfeil und Bogen und bauen Seilbrücken. Und wer in Sachen Gemeinschaftssinn auf Nummer sicher gehen möchte, kann optional gleich noch einen Party-Abend am Lagerfeuer mit dazu buchen.

Im Winter sind es dann vor allem Schneeschuh- und Fackelwanderungen sowie Rodel-Touren, die Bredl anbietet. Dabei nehmen so einige durchaus weite Strecken auf sich, kommen beispielsweise aus der Oberpfalz nach Bayerisch Eisenstein gereist.
Was mit ein paar Kanu-Touren einst begann, hat sich in den vergangenen sechs Jahren zu einem regelrechten Adventure-Camp entwickelt.

Und das klingt nicht nur nach viel Arbeit für Bredl - das ist es auch. Mittlerweile habe er ein paar geringfügig Beschäftige angestellt, vor allem der Papierkram bereite ihm mehr Arbeit, als ihm lieb ist. In dieser Hinsicht ist dann auch sein Job ein ganz gewöhnlicher.

"Immer a Gaudi!"

Der Umstand, dass der gebürtige Zwieseler sein Hobby zum Beruf gemacht hat, bringe ebenfalls mit sich, dass er es in seiner Freizeit eher ruhiger angehen lässt. Früher habe er als Ausgleich zu seiner Arbeit viel Zeit beim Ski fahren und Klettern verbracht. Heute darf es gern auch einfach mal die Couch sein. Was den 45-Jährigen keineswegs zu stören scheint. Seine Arbeit sei ohnehin "immer a Gaudi", sein "Alltag wie Freizeit".

Dabei spiele ihm in die Karten, dass er sowohl seine Winter- als auch seine Sommer-Hobbys sehr gut in seinen beruflichen Alltag integrieren kann. Er könne sich noch an seine Jugendzeit erinnern, an riesige Schneeberge von Weihnachten bis Ende April.

Mittlerweile sei das kaum mehr der Fall - "kein Vergleich mehr zu früher", sagt er. Ob das normal ist? Wahrscheinlich nicht, mutmaßt Bredl. Die klimatischen Veränderungen in der Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald habe er durchaus im Hinterkopf. Wenn der Schnee einmal ausbleibt, sei es jedoch schwierig gute Alternativen zu finden.

"Kein Vergleich mehr zu früher"

Noch aber stehen Bredls Schneehäuser fest im 850 Meter hoch gelegenen Igludorf bei Bayerisch Eisenstein. Diese  baut er entweder mit Hilfe eines sog. Iglu-Ballons (Durchmesser: zwei Meter) oder mittels einer sog. Eisbox. Schichtet man den Schnee um Erstere herum, lassen sich mit Letzterer Schneeblöcke formen, die dann Stück für Stück zum fertigen Iglu zusammengesetzt werden.

Mit einer 15 Zentimeter dicken Matratze und einem Lammfell habe man dann auch einen "weichen, kuschlig-warmen Untergrund", wie Baumeister Bredl erklärt.

 

Der nächste Winter kommt bestimmt.

Doch wozu eigentlich? Für eine Tour, die "im Winter der Renner" ist, kommt der Bayerwäldler ins Schwärmen. Eine Art "kombinierte Abenteuertour", wie er es nennt. "Fire-and-Ice-Tour" heißt es auf seiner Homepage. Dabei geht es zunächst mit der Gondel hinauf auf den Arber. Das letzte Stück wird zu Fuß absolviert. Die sechs Kilometer lange Abfahrt legen die Teilnehmer dann - jeweils mit Stirnlampe ausgestattet - auf einem Schlitten zurück.

Ein Bus fährt die Gruppe im Anschluss wieder zurück ins Igludorf nach Bayerisch Eisenstein, wo erst einmal am Lagerfeuer gemütlich gekocht wird. Mit einer Fackelwanderung ums Dorf klingt dann der Abend gemütlich aus. Laut Website reicht eine Kerze, um das Iglu-Nachtlager aus Eis und Schnee für die Übernachtung auf fünf Grad zu erhitzen.

"Wem das zu kalt ist, der darf sich zuvor noch an der Schneebar entsprechend präparieren", sagt Martin Bredl und lacht. Er weiß: Der nächste Winter kommt bestimmt.