Vom Wald das Beste. – Nationalparkregion Bayerischer Wald
Vom Wald das Beste: Bernhard Bachl

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Vom Wald das Beste: Bernhard Bachl

Am Anfang stand die Idee, dass man „die Spirituosen aus’m Woid auch in Schokolade packen kann“. Das war im Jahr 1996, als Bernhard Bachl gerade die Meisterschule absolviert hatte. Damals „verpackte“ er nur Bärwurz und Blutwurz in Schokolade. Sein Sortiment hat der Konditormeister seither sukzessive erweitert - regional sind seine Pralinen aber nach wie vor.

Galt er anfangs noch als „Exot“, profitiert Bachl mittlerweile vom größeren Bewusstsein für Umwelt und Naturschutz.

Das gilt nicht nur für seine Pralinen, sondern auch sein zweites Projekt, dem „Haus zur Wildnis“ in Ludwigsthal am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald.

Sie heißen „Arber-Gold“ oder „Lusen-Kugel“ - und der Bezug zur Region steckt nicht nur im Namen. Seit seinem 16. Lebensjahr ist Bachl Mitglied bei der Umweltorganisation BUND Naturschutz. Regionale und umweltverträgliche Produktion ist für den heute 50-Jährigen eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin von Haus aus so eingestellt“, erklärt Bachl. Dabei hatter er seine handgemachten Pralinen zu Beginn „nur so nebenbei“ vertrieben.

Das sollte sich ändern, als der Konditormeister seine Erzeugnisse auch am Weihnachtsmarkt feilbot. Seither sei der Dezember zwar „die Hölle“, dafür stimme aber der Umsatz. Neben einigen Geschäften in der Region können seine Pralinen seit einigen Jahren auch online erworben werden – „das funktioniert recht gut“, resümiert Bachl.

Bei mehr als 30 Grad verflüchtigt sich so eine Praline ziemlich schnell.

Als Pralinenproduzent verhält es sich ein bisschen so wie in der Landwirtschaft: Vieles hängt vom Wetter ab. November bis Januar ist die beste Zeit, doch wird es den Sommer über zu warm, legt der Konditormeister eine „qualitätsbedingte Pause“ ein. Erstens sei die Nachfrage nach Pralinen im Sommer ohnehin niedriger als in den Wintermonaten.

Zudem gestalte sich die Produktion während der warmen Jahreszeit deutlich aufwendiger. Technisch wäre es zwar möglich, etwa mit einer Klima-Anlage, aber auch für Kundinnen und Kunden bleibt ein essenzielles Problem bestehen: Bei mehr als 30 Grad verflüchtigt sich so eine Praline ziemlich schnell.

Saisonbedingte Schwankungen machen Bachl auch im „Haus zur Wildnis“ oftmals das Leben schwer. Fasching, Ostern, Pfingsten, Allerheiligen, Weihnachten – die Ferienzeit im Allgemeinen – und in der Nationalpark-Gastronomie ist die Hütte voll. Außerhalb dieser Spitzen werde es oft deutlich ruhiger. Diese „extremen Schwankungen“ machen es teilweise schwer entsprechendes Personal zur Verfügung zu haben.

Und in der Nationalpark-Gastronomie ist die Hütte voll

Das „Haus zur Wildnis“ pachtet Bachl seit 2007. Als Konditor kümmert er sich vor allem um Eis und Kuchen, ist aber prinzipiell überall dort anzutreffen, wo gerade Not am Mann ist – „auch mal in der Spülküche“. Neben Touristen kommen viele Gäste aus der Region oder der näheren Umgebung. Wer nach einer Führung oder einer Wanderung durch den Nationalpark seine Reserven auffrischen will, findet sich oftmals in der Ludwigsthaler Einrichtung wieder.

Der Nationalpark ist es, von dem Bachl am meisten profitiert, wie er selbst sagt. Mit dem Arber und dem Rachel in unmittelbarer Nähe machen regelmäßig Skifahrer oder Wanderer bei ihm Rast.

Da er das „Haus zur Wildnis“ vom Nationalpark gepachtet hat, war es von Anfang an die Vorgabe, soweit möglich regionale Produkte zu verwenden. Biologische und faire Produktion kamen somit auf Bachls eigenes Bestreben hinzu.

Zu Anfangszeiten sei dies sowohl als Konditor und als Gastronom eine echte Herausforderung gewesen - teilweise wurde er mit seinem Konzept „regional, ökologisch und fair“ etwas „schief ang‘schaut“.

Seit einigen Jahren aber werden die Gäste deutlich mehr.

„Wir möchten, dass Sie den Nationalpark nicht nur sehen, sondern auch schmecken“

Das liege einerseits daran, vermutet der 50-Jährige, dass die Leute nicht mehr so viel fliegen würden, also vermehrt in der Region Urlaub machten.

Andererseits wüssten mehr und mehr Menschen regionale und ökologisch nachhaltige Produktion zu schätzen.

Rund 90 Prozent der Lebensmittel stammen nach eigenen Angaben aus den Nationalpark-Landkreisen: „Wir möchten, dass Sie den Nationalpark nicht nur sehen, sondern auch schmecken“, heißt es auf der Homepage.

Dass sein „Haus zur Wildnis“ etwas „abseits liegt“, findet Bachl daher „ohnehin nicht so verkehrt“. Gerade das mache seine Gastronomie und den Nationalpark an sich für Touristen attraktiv. Damit das auch so bleibt, dürfe die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald aber auch nicht für den „Massentourismus“ geöffnet werden, findet Bachl.

„Es gibt nichts Schöneres als um sieben in da Früh‘ mit’m Radl durch den Nationalpark zu fahren“

Auch privat weiß der Konditor die Abgelegenheit der Region zu schätzen. Er selbst lebt in Bayerisch Eisenstein und ist auch dort groß geworden.

„Das Verwunschene“ des Bayerischen Waldes, wie Bachl es nennt, mache seine Heimat für ihn besonders reizvoll.

Wenn möglich, fährt er morgens mit dem Rad zur Arbeit – denn „es gibt nichts Schöneres als um sieben in da Früh‘ mit’m Radl durch den Nationalpark zu fahren“.